KünstlerinAnimus; der Geist, der Sinn, der Mut, das Herz
Andrea Froneck-Kramer
Euregio-Verlag Kassel, 2007
ISBN: 978-3-933617-28-6, 160 Seiten
Im Jahr 1711 siedelten drei adelige Damen aus Metz nach Fritzlar über. Dort errichteten sie auf den Ruinen eines verlassenen Augustinerinnenstifts ein Ursulinenkloster. St.Ursula in Fritzlar wurde ein Erfolgsmodell: Die Mitgliederzahl des Konvents wuchs rasch, die Gebäude wurden instandgesetzt und das Anwesen von renommierten englischen Gartenarchitekten gestaltet. Mit dem Pensionat und Lyceum schufen die Nonnen eine der ersten Bildungseinrichtungen für Mädchen. Die bedeutendste ehemalige Pensionärin ist zweifelsohne Bettine Brentano (später Bettine von Arnim). Ihr Signum kann man heute noch im Klostergarten entdecken, wo sie sich im Jahr 1795 mit einer Einkerbung in einem Lindenstamm verewigt hat. Ebenso verarbeitete sie ihre Zeit bei den Fritzlarer Ursulinen in »Goethes Briefwechsel mit einem Kinde«.
Die wechselvolle Geschichte der Fritzlarer Ursulinen verzeichnet Höhen und Tiefen. Während der fast drei Jahrhunderte ihres Bestehens wurden sie mit Kriegen, Hungersnöten, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen bis hin zu Verfolgungen konfrontiert. Zu Zeiten, als Frauen wenig Möglichkeit für ein selbstbestimmtes Leben hatten, verfolgten die Nonnen eine Vision und schufen ein großes Werk.
Das Buch beleuchtet die Historie des Klosters von der Gründungszeit bis in die Gegenwart. Faksimiles ergänzen die geschichtlichen Informationen, das Layout wirkt dynamisch und lebendig und die Gegenwart bekommt ihren eigenen Platz im Buch: In Form eines fotografischen Rundgangs wird der Leser durch das Kloster mitgenommen. Keine touristische Besichtigung wird geboten. Fragmentarische Bilder, unkommentierte Ein- und Ausblicke führen durch das Gebäude. Der Blick schweift voyeuristisch und doch scheu die Flure entlang, streift Türen, Nischen, Treppenfluchten hinauf und hinab.
Andrea Froneck-Kramer ist als bildende Künstlerin und Grafik Designerin zeichnend für Inhalt und Form. Sie ist eine ehemalige Schülerin der Ursulinenschule Fritzlar. Ein »Denkmal« zu schaffen für diese Traditionsstätte, solange es auf Fragen noch Antworten gibt, war der Beweggrund für diese intensive Auseinandersetzung.