Künstlerin2005, audio-visuelle Rauminstallation
DVD, 100 Stills, Loop
4 Audio-CDs: insgesamt 5 Stunden, Loop
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Das Ursulinenkloster in Fritzlar wurde 1711 von zwei Gräfinnen, »Ursulinerinnen aus Metz«, gegründet, wiedererbaut auf den Ruinen eines der Reformation zum Opfer gefallenen Augustinerinnenstifts. Die Nonnen boten eine der ersten Bildungseinrichtungen mit Pensionat für Mädchen an. Von weither kamen die Schülerinnen. Der Orden erlebte Blütezeit und Vertreibung. Immer gab es eine Wiederkehr. Dieses Mal scheint es ein endgültiges Ende zu werden. Eine schleichende Entwicklung, die mit der letzten Vertreibung, dem Klostersturm der Nationalsozialisten 1939 ihren Anfang nahm …
Noch vier Nonnen des Konvents leben, zwei in Fritzlar, die beiden älteren im Ursulinenkloster Würzburg, ihrem selbstgewählten Seniorensitz. Alle haben sie bis weit über das übliche Pensionsalter gelehrt. Diszipliniert leben sie ihr Ordensleben im riesigen Kloster. Ringsum tobt die Schule, die in Fritzlar 1989 in kirchliche Trägerschaft übergeben wurde. Gegenwärtig stehen wir in einem zeitgeschichtlichen Übergang, in dem die Verbindung zur Vergangenheit abzureißen beginnt. Das Medium des kollektiven Generationengedächtnisses ist die tägliche Kommunikation. Auf diese Weise findet ein Austausch lebendiger Erinnerung zwischen Zeitzeugen und Nachkommen statt. Durch mündliche Erzählung nehmen auch die am Gedächtnis teil, die das Erinnerte persönlich nicht erlebt haben.
Erinnerungen erzeugen keine objektiven Abbilder vergangener Realität. Es handelt sich dabei um eine selektiv vorgenommene subjektive Rekonstruktion in der Gegenwart. Selbst erlebte Erinnerung wiederum wird oft mit von anderen Personen erfahrenem und bewahrten Wissen verwoben. Im Laufe des Lebens entwickelt jeder seine eigene Wahrheit. Mehrmals traf ich mich mit jeder Schwester zum persönlichen Gespräch. Ihnen wichtig erscheinende Lebensereignisse und -umstände rückten in den Fokus. Dabei fertigte ich einen Mitschnitt an, um die unmittelbare Präsenz des gesprochenen Wortes zu erhalten. Die Erinnerungen der Nonnen, noch unzählbar mehr unerzählte, stecken in dem Gemäuer.